8. Fensterchen

Wir brauchen Tarnanzüge!

Wie ihr ja bekanntlich wisst, kann die Villa Freudeck täglich abgerissen werden. Die Abrissbirne surrt über dem Viertel (muss für Vögel auch lästig sein). Deshalb beschlossen wir die Frequenz unserer Kontrollgänge zu erhöhen. Damit das Ganze aber nicht zu auffällig wird, benötigen wir eine passende Tarnung.

Natürlich auch für unsere vielen Außenposten (ein Danke an dieser Stelle an Eva, Mirjam, Wolfi, Hans-Peter und all die anderen), die eine wirklich großartige Arbeit für den Ortsbildschutz leisten. 24 Stunden. Professionell. Gratis. Dabei bekommen die, die das Ortsbild nicht schützen, Geld dafür ... irgendwie verdreht. ... ich schweife ab. Zurück zu unseren Tarnanzügen.

Welche Modelle standen zur Auswahl?

Natürlich der Klassiker - Modell Mülltonne .... das gefiel uns nicht, damit diskreditieren wir uns selbst. Modell Baum – zu grün, zu öko (die Grünen unterstützen uns ja auch nicht). ...dann Modell „Neubau“ – viel zu groß und unpassend (da haben wir`s wieder. Groß und unpassend) und kratzig am Hals. Wir entschieden uns fürs Modell „Alte Villa“. Damit sind wir unsichtbar.

Wortspende 03

Vernünftige Argumente sind schon alle vorgebracht. Deshalb ein Appell an etwas,

was man nicht mit Geld bezahlen kann, an den Sinn für das Schöne. Schiller schreibt in seiner „Nänie“, einem Trauergesang:

„Auch das Schöne muss sterben! Das Menschen und Götter bezwinget, Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.“

Der „stygische Zeus“, der Gott der Unterwelt und des Todes, arbeitet in Bregenz mit Abrissbaggern. Man kann eigentlich nur mehr Klagelieder schreiben.

„Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle, Dass das Schöne vergeht, dass das Vollkommene stirbt. Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich; Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.“

Dr. Ulrike Längle, Bregenz