15. Fensterchen

December 14, 2016

Hey Dicker? Machst dich ganz schön breit hier.

Häuser können nicht sprechen. Oder doch? 

Bei unserem  morgendlichen Kontrollgang stellten wir uns die Frage: Was wäre, wenn Häuser sprechen könnten? Das wär doch was. Was könnten sie uns doch nicht alles erzählen? Aber Häuser können nun mal nicht sprechen. Oder doch?

Robert erzählte uns von einer alten Meditationstechnik der Inkas, die es ihnen ermöglichte, mit allem zu sprechen. Das wollten wir ausprobieren.

Raus aus den neuen Kampfanzügen. Rein in unseren gemütlichen Garten-Casual-Look.

Es war ein herrliches Bild.

Felix in seinem neuen todchicen lindgrünen Jogginganzug, Barbara in einem schon etwas in die Jahre gekommenen Catsuit von Dolce & Banana – der Rest von uns auf bestimmte aber unaufgeregte Art legere.

Die Sonne schien, Eichkätzchen erledigten ihre letzten Wintereinkäufe und die Kätzchen ließen sich von den spätherbstlichen Sonnenstrahlen ihre Bäuchlein kitzeln.

Hypnotisiert  von diesem Idyll, stellten wir uns der Reihe nach vor der Villa Freudeck auf und nahmen uns an den  Händen. Konzentration. Haus, sprich mit uns. HAUS. SPRICH MIT UNS!!!.

Plötzlich klingelt unser rotes Telefon. Das bedeutet nichts Gutes. Entweder einer der Außenposten meldet den nahenden Abriss (sehr gefährlich) oder aber der Herr Bürgermeister mit einer neuen guten Idee (noch gefährlicher). Ich muss jetzt Schluss machen. Wir versuchen es wieder.

 

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Kommentar Prozess Villa Freudeck, Bregenz

 

Unsere Städte und Gemeinden sind überwiegend gebaut. Ein steter Verdichtungsprozess hin zur Rheintalstadt hat eingesetzt. Die Entscheidung über “Abriss oder Sanierung?“ zieht die Frage nach dem „Wie?“ mit sich. Die Findung der jeweils richtigen Antworten stellt die Kernaufgabe der Raumplanung in den nächsten Jahrzehnten dar. Doch wir haben wenige Erfahrung in der Gestaltung der Prozesse. Es stellt sich die Frage auf der Objekt-, Nachbarschafts- und Ortsebene. Mit dem gegenständlichen Ansinnen, die Villa Freudeck, damit das erste Gebäude aus einem Gesamtensemble zu schleifen und durch einen mehrstöckigen Wohnbau zu ersetzen, wird die Frage vom Einzelobjekt auf die Nachbarschaftsebene gehoben. Mit dem Hinweis auf den Erhalt der wertvollen Villenviertel im Räumlichen Entwicklungskonzept der Stadt betrifft die Frage die Ortsebene. Doch was sind die Ziele der integrativen Stadtentwicklung? Diese Frage muss mit Blick auf die gesellschaftlichen und globalen Entwicklungen immer wieder neu beantwortet werden. Der Konflikt zwischen dem Erhalt des wertvollen Bestandes oder dem Ersatzneubau mit neuem architektonischem Gehalt wird sich im Zuge der Verstädterung des Rheintals immer öfters wiederholen. Es lohnt sich, den Prozess in Bregenz genau zu verfolgen, fachlich gut zu begleiten und gemeindeübergreifende Schlüsse für die sich entwickelnde Rheintalstadt zu ziehen.

DI Mag (FH) Markus Berchtold-Domig,  heimaten,  Schwarzenberg

 

 

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