23. Fensterchen

Ich hab` alte Häuser ja soooooooooo lieb.

Achtung: Ähnlichkeiten zu realen Personen sind rein zufällig und die Geschichte ist frei erfunden!

Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, da gibt es einen Bürgermeister (ja, auch die haben so etwas)..... und dieser Bürgermeister hat alte Häuser ja soooooooo lieb. Vor allem eine alte Villa. Und er findet es ja soooo schade, dass sie abgerissen werden soll. Aber ihm seien leider die Hände gebunden.

Na ja. ... Er hätte es selbst in der Hand – z.B. über die Baunutzungszahl (gibt’s auch bei den sieben Zwergen). Egal. Hauptsache, er hat alte Häuser sooooooooooooo lieb.

Aber das Ganze hat a bisserl a System.

Er sagt: Er liebt alte Häuser – lässt sie aber abreißen.

Er sagt: Er will der Bürgermeister aller Bürger und -Innen sein. Macht aber, was er will.

Im Fachjargon nennt man das Umkehrwahrheit. Wir müssen also umdenken – dann verstehen wir diesen Bürgermeister. Super. Endlich!!!

Wenn er also sagt, ein Viertel sei kein Ensemble- dann ist es also eines. Wenn er sagt, seine Gutachten sind pippi-fein- dann...... Und wenn er sagt: Er findet es soooo wichtig und toll, dass sich seine Bürger wehren und Kritik anbringen, denn das bringe eine Stadt weiter, dann geht ihm das eigentlich so ziemlich auf den Sack ;)

... doch ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht, denn wenn er wiederum sagt: Er will noch einmal für das Amt des Bürgermeisters kandidieren. Dann – BINGO - meint er das womöglich doch genau so. Verstehe einer diesen Bürgermeister.

p.s. Heute öffnen wir das vorletzte Fensterchen.

Die einen sagen „schade, dann kann ich ja bald gar nichts mehr öffnen. Dann gibt`s nichts mehr zum Wundern und Lachen. Dann macht das Leben ja gar keinen Sinn mehr.

Die anderen sagen: Hurra, die Villa steht noch. Das verdanken wir dem großartigen NICHT-Abriss-Adventskalender.

Und wieder andere werden sich denken: Endlich hört der Quatsch auf.

Tatsache ist aber, dass bereits über 1000 Besucher in unserem Adventskalender blätterten, wir über 5000 Seitenaufrufe haben und sich über 100 fixe Abonnenten an unseren Geschichten und Wortspenden erfreuen.

.... natürlich finden sich darunter auch Namen wie Donald Trump, H.C. Strache und manch Baufirma. Klar, es geht ja auch um Strategie...... und da wollen sie natürlich von uns lernen. Sollen sie nur ;)

Wir wünschen noch einen besinnlichen Advent.

Wortspende 24

Anmerkung zum Baumeisterviertel in Bregenz/Ölrain

Die Bedeutung des Zusammenspiels von Bauwerk und Garten ist in der Gartenkunst und in der Architektur eine anerkannte Tatsache. Als Landschaftsarchitektin, die historische Villengärten bearbeitet, ist mir bewusst, welche Abhängigkeit zwischen den Bestandteilen eines Ensembles besteht und wie wichtig deren Ausgewogenheit ist. Ein sorgsamer Umgang mit dieser Gesamtheit ist unabdingbar um den Reiz und die Besonderheiten historischen Erbes in die Zukunft zu führen.

Das Baumeisterviertel in Bregenz ist geprägt von historischen Gebäuden und großzügigen Villengärten. Zur Straße hin sind die Gärten und ihre Einfriedungen ebenso ortsbildprägend wie die dazwischen liegenden Villen. Das Ensemble an der Hangkante ist zudem von der unteren Ebene der Römerstraße aus sichtbar und erzeugt ein einzigartiges, reizvolles und historisch bedeutsames Bild an der Einfahrt nach Bregenz. Die Landesregierung hat die dort stehende Villa Fünfland mit gutem Grund als „besonders erhaltenswert“ eingestuft.

Unablässig für die weitere gedeihliche Entwicklung des Villenviertels ist eine umfassende Dokumentation und eine genaue fachgerechte Analyse seiner Qualitäten, in welche bestehende Wohnhäuser und Nebengebäude ebenso wie Gärten mit ihrem repräsentativen Baumbestand einbezogen werden.

Allfällige – möglichst sensible – Eingriffe ins Baumeisterviertel sollten auf der Basis einer gründlichen, von Architektur/Städtebau, Landschaftsarchitektur und Kunstgeschichte gemeinsam erarbeiteten Studie für das gesamte Gebiet entschieden werden. Ähnlich einem denkmalpflegerischen Konzept werden darin die Historie erforscht, der heutige Zustand dargestellt und räumliche Potenziale aufgezeigt. Daraus können verträgliche Entwicklungsvarianten abgeleitet werden.

Nur so wird eine unwiederbringliche Zerstörung der vorhandenen, historisch gewachsenen Qualitäten verhindert.

Univ. Prof. DI Lilli Lička, Landschaftsarchitektin, Wien